Aus gegebenem Anlass muss ich hier und jetzt mal meinem Ärger Luft machen. Gerade dafür haben wir doch Blogs, um nicht mehr nur noch diesem politischen und medialen Populismus nachzulaufen und irgendwann zu sagen: “Oh ja, diese Killerspiele hätten mich auch fast in den Amok getrieben”. Nein, selber Mitdenken ist die Devise! Und wenns gut läuft sogar sagen, was man denkt!
Es war ja kaum noch auszuhalten, wie viele Experten unter den Steinen hervorkrochen und schon am selben Tag des Waiblinger Amoklaufs die Erklärungen lieferten, wie es zu sowas kommen konnte. Ich hatte mir die Pressekonferenz der Polizei Waiblingen live angeschaut und war über Aussage wie “wir untersuchen die Kleider und Musik der Täters, um Rückschlüsse ziehen zu können” sehr überrascht”. Weiter ging es dann mit der Verschärfung der Waffengesetze und und und. Die einzige Frage, die ich mir bis zum heutigen Tage stelle, gibt es in den entscheidenden Media-Hubs keine vernünftigen Leute mehr? Ist unsere Gesellschaft mittlerweile nur noch voll von hirnamputierten, weltfremden, nachquatschenden Politiker, Journalisten und selbsterkorene Experten?
Bevor ich über ein Verbot von Killer-Spielen und einer Verschärfung der Waffengesetze reden würde, hätte ich die Berichtserstattungen der Privatsender verboten. Die Berichterstattung ist viel schlimmer als alles andere, weil es unsere Gesellschaft nachhaltig völlig zu grunde richtet. Wir haben im Büro N24 laufen gehabt, was mich schwer an einen Nachmittag bei RTL oder Sat1 erinnert.
Immerhin habe ich wieder ein wenig Hoffnung erhalten nach dem Artikel “World of Bullshit” von Arno Frank. Ein schöner Auszug aus seinem Artikel, der unsere Situation auf den Punkt bringt:
“In der offiziellen Ankündigung dieser wichtigen Sendung ist allen Ernstes von ” ,Ego-Shootern’ wie ,World Of Warcraft’ ” die Rede. Schon klar. Diskutieren die Experten demnächst auch über “Pornofilme wie ,Bambi’ “?
Daraus spricht mehr als nur Dummheit oder Desinteresse. Hier verbirgt sich das eigentliche Problem: eine totale und selbstgefällige und unerschütterliche Ignoranz gegenüber jugendlichen Lebenswelten. Das kann wirklich aggressiv machen, aggressiver noch als sechs Stunden “Counter Strike” am Stück.”.
Das verdeutlicht unser Problem: Viele haben keine Ahnung, was sie eigentlich sagen oder machen.
Es müssen doch ein paar nachvollziehbare Fragen gestellt werden:
- Natürlich haben Sie bei jedem Amokläufer der letzten Jahre gewaltverherrlichende Computerspiele gefunden, weil jeder Junge im Alter von 12-20 Jahren sie spielt!
- Warum hat jemand Munition zuhause? Klar, jeder sammelt gerne irgendwas und wenn es Waffen sind, aber wozu hat man Munition in der eigenen Wohnung?
- Wie kann es passieren, dass ein 17jähriger 15 Menschen tötet und wir hier eine Debatte über PC-Spiele führen und nicht über die Erziehung der Eltern und Lehrer?
Da ich ein Verfechter von destruktivem Gemotze bin, werde ich hier versuchen mit etwas konstruktivem zu kommen, auch wenn ich kein Psychologe, Erzieher, Politiker, selbsternannter Experte oder dergleichen bin:
- Eltern müssen sich mit den ihren Kinder auseinandersetzen
- Eltern müssen den Kindern Respekt gegenüber sich selber, den Eltern und Dritten beibringen
- Eltern müssen eine Wahrnehmung für die Aktivitäten ihrer Kinder entwickeln
- Eltern müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder nicht nur in den eigenen 4 Wänden sitze…Computerspiele ja, aber nicht 12 Stunden am Tag
- Verschärfung des Waffengesetzes dahin, dass keine Waffen bzw. Munition zuhause gelagert wird!
Frage: Warum hat jemand überhaupt Munition zuhause? Mein Freund Delapunk bringt es auf den Punkt (link)
- Diskreditieren von selbsternannten Experten, die uns mit ihrer eigenen Unwissenheit ärgern
- Überdenken des journalistischen Gebarens (siehe @baranek)
Nachdem ich nun mit vielen Freunden und Kollegen über die Thematik gesprochen habe, würde ich mich freuen Feedback zu erhalten (gerne auch als Kommentar ;-)).
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