Nils Maier’s Weblog

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Ahnungslose Populisten

03/17/2009 (Kategorie, Politik)

Aus gegebenem Anlass muss ich hier und jetzt mal meinem Ärger Luft machen. Gerade dafür haben wir doch Blogs, um nicht mehr nur noch diesem politischen und medialen Populismus nachzulaufen und irgendwann zu sagen: “Oh ja, diese Killerspiele hätten mich auch fast in den Amok getrieben”. Nein, selber Mitdenken ist die Devise! Und wenns gut läuft sogar sagen, was man denkt!

Es war ja kaum noch auszuhalten, wie viele Experten unter den Steinen hervorkrochen und schon am selben Tag des Waiblinger Amoklaufs die Erklärungen lieferten, wie es zu sowas kommen konnte. Ich hatte mir die Pressekonferenz der Polizei Waiblingen live angeschaut und war über Aussage wie “wir untersuchen die Kleider und Musik der Täters, um Rückschlüsse ziehen zu können” sehr überrascht”. Weiter ging es dann mit der Verschärfung der Waffengesetze und und und. Die einzige Frage, die ich mir bis zum heutigen Tage stelle, gibt es in den entscheidenden Media-Hubs keine vernünftigen Leute mehr? Ist unsere Gesellschaft mittlerweile nur noch voll von hirnamputierten, weltfremden, nachquatschenden Politiker, Journalisten und selbsterkorene Experten?

Bevor ich über ein Verbot von Killer-Spielen und einer Verschärfung der Waffengesetze reden würde, hätte ich die Berichtserstattungen der Privatsender verboten. Die Berichterstattung ist viel schlimmer als alles andere, weil es unsere Gesellschaft nachhaltig völlig zu grunde richtet. Wir haben im Büro N24 laufen gehabt, was mich schwer an einen Nachmittag bei RTL oder Sat1 erinnert.

Immerhin habe ich wieder ein wenig Hoffnung erhalten nach dem Artikel “World of Bullshit” von Arno Frank. Ein schöner Auszug aus seinem Artikel, der unsere Situation auf den Punkt bringt:

“In der offiziellen Ankündigung dieser wichtigen Sendung ist allen Ernstes von ” ,Ego-Shootern’ wie ,World Of Warcraft’ ” die Rede. Schon klar. Diskutieren die Experten demnächst auch über “Pornofilme wie ,Bambi’ “?
Daraus spricht mehr als nur Dummheit oder Desinteresse. Hier verbirgt sich das eigentliche Problem: eine totale und selbstgefällige und unerschütterliche Ignoranz gegenüber jugendlichen Lebenswelten. Das kann wirklich aggressiv machen, aggressiver noch als sechs Stunden “Counter Strike” am Stück.”
.

Das verdeutlicht unser Problem: Viele haben keine Ahnung, was sie eigentlich sagen oder machen.

Es müssen doch ein paar nachvollziehbare Fragen gestellt werden:

  1. Natürlich haben Sie bei jedem Amokläufer der letzten Jahre gewaltverherrlichende Computerspiele gefunden, weil jeder Junge im Alter von 12-20 Jahren sie spielt!
  2. Warum hat jemand Munition zuhause? Klar, jeder sammelt gerne irgendwas und wenn es Waffen sind, aber wozu hat man Munition in der eigenen Wohnung?
  3. Wie kann es passieren, dass ein 17jähriger 15 Menschen tötet und wir hier eine Debatte über PC-Spiele führen und nicht über die Erziehung der Eltern und Lehrer?

Da ich ein Verfechter von destruktivem Gemotze bin, werde ich hier versuchen mit etwas konstruktivem zu kommen, auch wenn ich kein Psychologe, Erzieher, Politiker, selbsternannter Experte oder dergleichen bin:

  • Eltern müssen sich mit den ihren Kinder auseinandersetzen
  • Eltern müssen den Kindern Respekt gegenüber sich selber, den Eltern und Dritten beibringen
  • Eltern müssen eine Wahrnehmung für die Aktivitäten ihrer Kinder entwickeln
  • Eltern müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder nicht nur in den eigenen 4 Wänden sitze…Computerspiele ja, aber nicht 12 Stunden am Tag
  • Verschärfung des Waffengesetzes dahin, dass keine Waffen bzw. Munition zuhause gelagert wird!
    Frage: Warum hat jemand überhaupt Munition zuhause? Mein Freund Delapunk bringt es auf den Punkt (link)
  • Diskreditieren von selbsternannten Experten, die uns mit ihrer eigenen Unwissenheit ärgern
  • Überdenken des journalistischen Gebarens (siehe @baranek)

Nachdem ich nun mit vielen Freunden und Kollegen über die Thematik gesprochen habe, würde ich mich freuen Feedback zu erhalten (gerne auch als Kommentar ;-) ).

9 Responses

  • 1
    laluna:

    dieser Artikel trifft es auf den Punkt.

    Ich wuerde es aber nicht auf die Erziehung der Eltern oder Lehrer reduzieren.
    Die Gesellschaft sollte einfach mal umdenken und sich vielleicht mit etwas offeneren Augen durch die Welt laufen.

    Und was wird den jungen Menschen denn geboten? Verrottete Spielplaetze und Schulen, keine Jugendhaeuser, keine Kulturprogramme,u.s.w. Nichts, der Staat hat schliesslich kein Geld. Ausser, es geht um ihre eigenen Taschen.

    Wichtig ist doch, sich mit den Kindern zu beschaeftigen, und ihre Begabung zu foerdern.

    Mein Sohn durfte auch Gameboy (ist schon ein paar Jahre her) spielen, aber nicht stundenlang. Es gab zwar auch gemotzte, aber Schwimmbad, Skifahren, Abenteuerspielplatz war dann doch interessanter.

    Man sollte sich immer bewusst machen, Kinder sind unsere Zukunft und wir haben es in der Hand, was daraus wird.

  • 2
    J.Maier:

    Berichterstattung über Amokläufe bedeutet immer Grenzüberschreitung, ist immer grenzwertig und gerade deshalb muss über Journalismus grundsätzlich nachgedacht werden.

    Auf der Jagd nach ersten Informationen und Bildern, nach Beteiligten/Betroffenen, nach Schülern/Kindern, nach Trauer und Leid, dürfen Moral, Würde und Ethik nicht auf der Strecke bleiben.

    Seriöse Berichterstattung muss vor schnellem, persönlichkeitsverletzendem Journalismus stehen. Betroffene, vor allem Kinder und Jugendliche müssen stärker geschützt werden.

    Die enorme Wirkung der Visualisierung von Gewalttaten darf von Journalisten nicht zum Schocktransport ausgenützt werden, sondern sollte zur Zurückhaltung und wohlüberlegter Berichterstattung führen, immer mit dem grundsätzlichen Anspruch der Prävention und dem Schutz der Opfer.
    Das Gleiche gilt selbstverständlich für Hobby Journalisten in Blogs, Twitter, Foren etc..

  • 3
    C.P.Krone:

    Bevor man über eine Veränderung der Berichterstattung reflektiert, muß man sich über die veränderten Strukturen von Informationsaustausch, –aufarbeitung, –verbreitung und -verbindungen generell unterhalten. Die Medienlandschaft hat sich verändert.

    Immer mehr Menschen nehmen am Internet aktiv teil, vernetzen sich oder generieren selbst Inhalte.
    Blogs, Social Software und Podcasts gehören für viele heute zum Alltag.

    Funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell des Journalismus überhaupt noch?

    Welchen Einfluss haben Web 2.0-Technologien auf die Medienbranche und z.B. auf die Recherchepraktiken der Journalisten?

    Welche Netzwerke nehmen Einfluss auf die Informationsstrukturen?

    Wenn die Spieler identifiziert sind, müssen die Regeln besprochen werden
    und zwar global und dafür wiederum braucht man das www

  • 4
    WMK:

    Guter Artikel!

    Ergänzend zur dringend notwendigen Änderung der sozialen Missstände, die zu solchen paranoiden schlimmen Aktionen führen, hier zur Info die vom Musiker Gerhard Schöne in der Öffentlichkeit bekannter gemachte Aktion:

    Warum müssen Sportschützen überhaupt ihren Sport betreiben mit Sportwaffen (als ihren Sport-Geräten), die tödlich sind?

    Platt gesagt: Sportgeräte dürfen keine Mordgeräte sein – also keine Waffen mit tödlicher Munition für Sportler. Das ist eigentlich eine sehr einfache und vollkommen logische Maßnahme.

    Gruß,
    WMK

  • 5
    L.Diekmann:

    Durch das Web 2.0 hat ein neues Zeitalter begonnen. Web 2.0 bezeichnet keine neue Technologie, sondern eine neue Qualität des Internet.

    Das Internet hat eine zweite Phase erreicht.

    Es geht nicht mehr nur um Informationsverteilung und Informationssuche
    sondern um die aktive Teilnahme der User, sie produzieren den Inhalt des Internet selber, das ist die Veränderung.

    Nie war es so einfach, selbst zu publizieren. Der Freizeit-User als Redakteur, Videoproduzent, Nachrichtensprecher, Lobbyist:
    Konkurrent für die etablierten Medien?

    Von der Objektivität zur Authentizität!

    Ist der Anspruch des klassischen Journalismus, nämlich objektive Berichterstattung gar nicht mehr im Zentrum der Bedürfnisse unseres Zeitgeistes?

    Wie wichtig ist die Objektivität? Wo bleiben Moral und Ethik, ein für alle gültiger Verhaltenscodex, wenn Authentizität Grundlage einer individuellen, subjektiven Sicht publizierter Ereignisse wird?

  • 6
    Nils Maier:

    Hier habe ich eben über @csommer noch ein interessantes Video vom NDR erhalten…

    …Die Medien und der Amoklauf – einfache Fehler, schlimme Entgleisungen…

    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3204.html

  • 7
    Nils Maier:

    Aktionismus der Stadt Stuttgart…

    …Stuttgart untersagt Computerspiele-Wettbewerb…

    http://www.heise.de/newsticker/Stuttgart-untersagt-Computerspiele-Wettbewerb–/meldung/135025

  • 8
    R.Harich:

    Ihren konstruktiven Vorschlägen im Rahmen der Debatte stimme ich zu! Die Tatsache, dass der Amoklauf aus der Berichterstattung schon wieder verschwunden ist, zeigt ja geradezu wieder einmal überdeutlich, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das journalistische Geschäft in weiten Teilen der Medienindustrie funktioniert. Die unter Auflagen- bzw. Quotendruck stehende Boulevardpresse und die privaten elektronischen Medien berichten in einer z. T. nur schwer zu ertragenden, distanzlosen und detaillierten Weise, die am Ende niemanden wirklich nützt. Durch mobile Endgeräte und Bewegtbilder auf den Homepages aller Medienanbieter sind der “Anteilnahme” der Leser / Zuschauer keine Grenzen gesetzt. Allein die Chefredakteure entscheiden, wie mit dem Material in verantwortungsvoller Weise umgegangen wird. Deren Qualitätsverstädnis und Urteilsvermögen wird in Zukunft noch bedeutender. In diesem Zusammenhang ist auch das Thema “Medienkompetenz” immer wichtiger. Eltern werden nicht verhindern können, dass ihre Kinder mit für sie nicht geeigneten Inhalten konfrontiert werden. Umso mehr sollten sie einen verantwortungsvollen Umgang mt Medien vermitteln, nicht zuletzt durch eigenes Vorleben und ausführliche Gespräche. Private Initiativen sind in diesem Bereich bereits aktiv. Schulen und Universitäten müssen in diesem Sektor (mehr) entsprechende Angebote machen und Kindern und Jugendlichen den selbst-gerechten Umgang mit Medien vermitteln. Hier wird insgesamt noch viel zu wenig unternommen. Eine finanzielle Frage kann dies, mit Blick auf den unausgewognenen Bundeshaushalt, nicht sein!

  • 9
    ath:

    Versuch einer “Stellungnahme” – beileibe keine Rundumverteidigung:

    Die wenigen Beiträge in diesem Blog sind ja ein wunderschönes und/oder auch abschreckendes Beispiel, wie das Web (übrigens nicht erst seit “2.0″´) funktioniert:

    - Das schreckliche und tragische Ereignis in Winnenden ist Anlass oder Auslöser; thematisiert werden u.a. die Berichterstattung, die Politik, das Expertenwesen (oder auch -unwesen), die Waffengesetze, die Rolle der Eltern sowie weitere (Rand)aspekte.

    - Im folgenden pickt sich jeder heraus, was ihn oder sie am meisten interessiert, aufregt oder immer schon einmal gesagt werden musste.

    - Nächster Schritt sind, zum Teil aus dem Zusammenhang gerissene, zum Teil einfach neu in die “Diskussion” gebrachte Zitate – mit dem Ergebnis, dass sich die Geschichte spätestens an diesem Punkt a) verselbständigt und b) inhaltlich kaum noch nachvollziehbar wird.

    Aber das ist Fluch und Segen des Internet, womit ich (endlich) beim Thema bin. Nur noch eine Vorbemerkung: So manche Formulierung finde ich mehr als unglücklich; “unter Steinen hervorkriechende Experten” weckt bei mir einfach schreckliche Assoziationen zum Thema “Manipulation mit Sprache”…

    Zur Sache:
    Was ist von der (vor allem aktuellen) Berichterstattung aus Winnenden zu halten? Vieles war schlicht Mist – handwerklich schauderhaft, schlecht oder gar nicht recherchiert, ohne nachvollziehbaren Inhalt oder Nutzen. Aber: First come, first serve – das gilt (leider) auch im Journalismus. Geschwindigkeit geht nahezu immer zu Lasten der Qualität – eine wochenlang recherchierte Hintergrundstory kann (und muß) das arme “Frontschwein” vor Ort gar nicht bieten. Und: Dieser Aktualitätshype wurde durch das Netz nicht gerade gemildert – jetzt sind Radio/TV nicht mehr automatisch die Ersten mit einer Meldung. Zweitens: Nicht nur im viel gescholtenen RTL-Umfeld (und auch renommiertere Medien haben sich in der ersten Phase der Berichterstattung ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert) ist grundsätzlich JEDE journalitische Arbeit direkt oder indirekt auf “Quote” (also Leser, Hörer, Zuschauer, Surfer, Käufer) gerichtet – “in Schönheit sterben” hat schon zu Zeiten der Minnesänger im Mittelalter nicht dauerhaft funktioniert. Und was in privaten Medien der Kommerz, ist im öffentlich-rechtlichen Bereich allzuoft Parteienproporz oder -einflußnahme. Ansonsten verweise ich auf das McDonald’s-Phänomen: Da geht auch keiner hin, trotzdem braten die jeden Tag mehrere Millionen Buletten… Will sagen: Solange es ein Publikum (vulgo Nachfrage) gibt, gibt es auch ein Angebot – Nachrichten sind ein Wirtschaftsgut wie jedes andere.

    Millionen Fliegen können nicht irren?
    Hehre Ideale, Humanismus usw. sind natürlich schützens- und verteidigunswerte Güter – nur leider kann man niemanden zu seinem Glück zwingen. Medien existieren ja nicht im luftleeren Raum, sondern sind im Gegenteil mitunter ein ganz gutes Spiegelbild einer Gesellschaft. Und jede Gesellschaft hat nicht nur die Politiker, die sie verdient… Tatsache ist leider, dass der (qualifizierte) Medienkonsum, das Lesen einer Tageszeitung, die Nutzung von Büchern seit Jahren rückläufig sind – www, SMS, Handy gewinnen; vor allem bein der Jugend. Das mag man bedauerlich finden – Schuld daran sind aber nicht die Medien per se. Gesellschaften (auch unsere) verändern sich – das ist ein ganz normaler Vorgang (Früher war schon immer alles “besser” – trotzdem möchte ich persönlich nicht in Zuständen wir vor z.B. nur 150 Jahren leben). Und die Gründe dieser Veränderung sind eben nicht monokausal – das “Schrauben” an der Gesetzgebung oder der Berichterstattung wird diese Entwicklungen nicht aufhalten.

    Medien dürfen (fast) alles – also können Sie auch alles (?)
    Der Einfluß der Medien wird m.E. maßlos überschätzt. Egal, ob der Verbraucher nun mündig, aufgeklärt und selbstbestimmt oder doch eher gleichgültig, desinteressiert und “glotzengeil” ist – ohne Strafe (oder Belohnung) erreicht man keine dauerhaften Verhaltensänderungen (weder beim Mensch, noch beim Tier). Und entgegen dem aktuellen Slogan macht die Zeitung mit den großen Buchstaben vielleicht Stimmung – ganz sicher aber keine Meinung. Insofern ist ein erheblicher Teil der Berichterstattung zur Katastrophe in Winnenden zu bedauern, zu verurteilen, zu bemitleiden – aber nicht verantwortlich zu machen (wie es in der bedeutungsschwangeren Analyse der Ereignisse in den letzten Tage mal mehr, mal weniger deutlich mitschwingt).

    Was m.E. völlig an der Wirklichkeit vorbeigeht, ist die Forderung nach einer Berichterstattung, die dem Ereignis, dem Täter wie den Opfern, gerecht wird und idealerweise gleich noch eine detaillierte Ursachenanalyse liefert, mit welcher Gewichtung welche Faktoren (Kindheit, Umfeld, Ballerspiele, Pickel) verantwortlich für eine derartige Tat sind. Das Ganze natürlich zeitnah, objektiv, belegt und jederzeit überprüfbar. Einem derartigen Ereignis kann keine Berichterstattung gerecht werden – sollte sie aus diesem Grund besser ganz unterbleiben? Wenn schon Eltern, Freunde, Lehrer oder Nachbarn die (lt. gängiger Psychologenmeinung durchaus vorhandenen Warnzeichen) nicht erkennen – wie soll ein Journalist vor Ort (und “auf die Schnelle”) Motiv und Beweggründe in Erfahrung bringen?

    Kein Medium kann Therapeut, Erzieher, bester Freund/beste Freundin, Beíchtvater und Kumpel einer ganzen Gesellschaft sein (auch wenn mancher Chefredakteur das ganz gern wäre). Und so traurig es ist: Bad News are Good News – “Schon 3 Jahre kein Attentat an einer Winnender Realschule” ist als Schlagzeile schlechterdings undenkbar (wer als Journalist nach diesem Motto handelt, fängt sich übrigens in Lichtgeschwindigkeit den Vorwurf kritikloser Schönschreiberei ein…).

    Und sonst?
    Extrem geärgert hat mich das Zitat von Arno Frank. Zu einen kann nun wirklich kein Journalist Fachmann auf jedem Gebiet sein (und die entsprechenden Fachleute der Computerspielpresse haben ja wirklich kaum Anlaß, Winneneden zu thematisieren). Viel wichtiger aus meiner Sicht: Wenn denn tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Tat und der exzessiven Nutzung sogenannter Ballerspiele besteht (was bis heute kontrovers diskutiert wird), ist es für Eltern und Umfeld der Opfer und Täter wohl wirklich sch****egal, ob ein Egoshooter gespielt wurde, oder der korrekte terminus technikus ein anderer ist! Übrigens: Wo ist nachgewiesen, dass JEDER Junge zwischen 12 und 20 diese “Spiele” spielt? Ich kenne einen, der das nicht tut – ist die ganze Theorie damit wiederlegt?

    Völlig nebensächlich finde ich die Diskussion um die Waffengesetzgebung: Wer keinen Zugang zu (Schuß)waffen hat, wird eine derartige Wahnsinnstat anders realisieren – mit dem Auto in eine Menschenmenge rasen, Feuer legen, usw…

    Mission impossible?
    Nein, sicher nicht – aber die Medien können nur ein kleiner Baustein sein. Im Mittelpunkt stehen die Familie, die Eltern und die Erziehung. Schon das immer mehr um sich greifende Abwälzen elterlicher Verantwortung auf die Schulen ist m.E. fatal. Aber wenn Mutti um 9 Uhr die Glotze anwirft und im ganzen Haushalt nur ein Buch, nämlich das Telefonbuch, exisitiert, wie soll der hoffnungsvolle Nachwuchs (im übrigen auch unser aller Rente…) dann einen sinnvollen Medienkonsum lernen? Sollen Verlage und Sender jetzt Kampagnen “Schalt ab!” oder “Kauf mich nicht!” starten? Neben jedem Elternteil, das ganz persönlich gefordert ist, könnte auch die Politik ihren Teil beitragen (nein, nicht durch das Verbot von “Ballerspielen” – dann werden die ja noch begehrlicher) – Stichwort Elternführerschein, Stichwort berufliche Karriere mit Kindern, Stichwort Aufwertung der Hauptschule, Stichwort Investition in Bildung, Stichwort Bekämpfung der Kinderarmut…

    Und bevor das Mutmaßen losgeht: Ja, ich gestehe, ich bin Journalist (wahrscheinlich für den einen oder die andere keine echte Überraschung). Und ich schäme mich nicht – mir macht mein Beruf (und die damit verbundene Verantwortung) jede Menge Spass. Und: Nein, ich/wir haben nicht über Winnenden berichtet – und ich bin heilfroh, dass wir uns nicht mit dem Thema redaktionell auseindersetzen mussten.

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